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In diesem Artikel geht es um den ersten Schritt, den du gehen solltest, wenn du deine Mitarbeiter wirklich erreichen willst. Der erste Schritt ist, den anderen Menschen wirklich zu „sehen“ und zu verstehen. Und das ist gar nicht so leicht, wie man vielleicht denkt. Ich gebe dir hier ein paar Tipps, die du ganz konkret umsetzen kannst, damit andere Menschen sich wirklich von dir „gesehen“ fühlen.

 

Jeder hat das Bedürfnis „gesehen“ zu werden

 

Jeder von uns hat das Bedürfnis „gesehen“ zu werden. Das tiefe Bedürfnis, wahrgenommen und wirklich verstanden zu werden.

Virginia Satir, die Mutter der systemischen Therapie, hat dazu ein schönes Statement gebracht.
Sie hat gesagt:
„Ich glaube daran, dass das größte Geschenk, das ich von jemandem empfangen kann, ist, gesehen, gehört, verstanden und berührt zu werden. Das größte Geschenk, das ich geben kann, ist, den anderen zu sehen, zu hören, zu verstehen und zu berühren. Wenn dies geschieht, entsteht Kontakt.“

Und Kontakt ist die Basis für alles.
Wenn du Mitarbeiter wirklich erreichen, begeistern und zum Handeln motivieren willst, ist der erste Schritt in einen guten Kontakt, eine gute Verbindung mit ihnen zu gehen.

 

Wann hattest du das letzte Mal das Gefühl, dass jemand dich wirklich „sieht“?

 

Dir voller Interesse zuhört, dich versucht zu verstehen, nachfragt und deine Gedanken und Gefühle nachempfinden kann?
Denk einmal an eine Situation zurück, in der du dich wirklich „gesehen“ gefühlt hast.

Vielleicht fällt es dir gerade gar nicht so leicht ein Beispiel dafür zu finden und vielleicht fällt dir auch auf, dass dieses Gefühl „wirklich gesehen zu werden“ gar nicht so selbstverständlich ist.

 

Wie unser Kopfkino das verhindert

Wenn wir in Kontakt mit anderen Menschen gehen, uns mitteilen, etwas erzählen, passiert eines ganz oft:
während mein Gesprächspartner etwas erzählt, höre ich zu, aber überlege mir gedanklich schon die Antwort. Ich überlege mir bereits, was ich dazu sagen möchte. Das Problem dabei ist, dass ich in dem Augenblick gar nicht mehr alles mitkriege, was die andere Person wirklich sagt.
Ich höre ein wenig zu, mein Kopfkino geht los und mein eigener Film läuft ab, den ich dann in der Antwort runterspule.

Ein Beispiel dafür habe ich vor gar nicht allzu langer Zeit in einem Mitarbeitergespräch beobachten können.
Da hat eine Führungskraft seine Mitarbeiterin um ein Gespräch gebeten, da sie in der letzten Zeit in der Leistung nachgelassen hat. Sie erschien ihm häufig lustlos und unkonzentriert und er wollte im Gespräch nachfragen was los ist. So weit so gut.
Die Mitarbeiterin hat sich im Gespräch auch geöffnet und gesagt, dass es ihr augenblicklich mit der Arbeitsbelastung nicht gut gehe, dass das Arbeitsvolumen so stark zugenommen hat, dass sie die Arbeit kaum noch schafft.
Die Führungskraft hörte zu und hat dann direkt geantwortet: „Kann es wohl sein, dass du Depressionen hast? Bei der Frau eines Freundes war das nämlich auch so. Die konnte irgendwann ihre Arbeit nicht mehr schaffen, weil sie so depressiv war. Da hilft eigentlich auch nur eine Therapie.“

So und jetzt versetze dich einmal in die Lage der Mitarbeiterin.
Hat sie sich gesehen und verstanden gefühlt? Nein, natürlich nicht.
Stattdessen hat sich die Antwort wahrscheinlich eher wie ein Schlag ins Gesicht angefühlt.
Da öffnet man sich, gibt etwas von sich preis und als Antwort bekommt man mal eben schnell eine krasse Diagnose hingeworfen.

Jetzt denkst du dir vielleicht, dass dies ja auch ein krasses Beispiel war und dir so etwas nicht passieren würde. Aber es fängt im Kleinen schon an.

Findest du dich in dem Beispiel wieder?

 

Da erzählt dir jemand, dass ihn der Lockdown gerade sehr belastet und er sich alleine fühlt.
Wie schnell bist du geneigt zu antworten:
„Ja, mir geht es genauso. Es reicht aber auch langsam mit dem Lockdown.“
oder du antwortest: „Mensch, kann ich verstehen, aber versuche doch mal das Positive an dem Ganzen zu sehen. Jetzt hast du viel mehr Zeit für dich.“

Gut gemeinte Antworten, aber wirklich „gesehen“ und verstanden fühlt der andere sich nicht.

Wie kannst du stattdessen reagieren?
Was sind die Schritte dahin, dass dein Gegenüber sich wirklich „gesehen“ fühlt?

 

 

Die 4 Schritte, damit der andere sich „gesehen“ fühlt

 

1.Interesse an der Person haben

 

Wenn du mit jemandem sprichst, konzentriere dich voll und ganz auf dein Gegenüber. Also nicht daran denken, was du gleich noch alles erledigen willst, oder wie du antworten willst, sondern wende dich voll und ganz der anderen Person zu und nimm dir Zeit für das Gespräch.
Sei voller Interesse und Aufmerksamkeit bei der anderen Person.
Das ist der Türöffner für das weitere Gespräch. Das Gefühl zu haben, der andere hat Interesse an mir, an meinen Gedanken, an meiner Sichtweise.

 

2.Zuhören

 

Konzentriert und unvoreingenommen zuhören. Die andere Person ausreden lassen und versuchen ihren Gedankengängen zu folgen. Danach kommt nicht deine Perspektive auf die Dinge und auch kein Lösungsvorschlag, sondern du bleibst bei der anderen Person und versuchst noch stärker sie zu verstehen, indem du nachfragst.

 

3.Nachfragen

 

Nachfragen ist ein ganz entscheidender Punkt, weil dieser nicht sehr oft passiert.
Wirklich bei der anderen Person zu bleiben und nicht von sich zu erzählen, fällt schwer, weil wir alle am liebsten von uns erzählen. Unsere Erfahrungen, unsere Erlebnisse, unsere Gedanken und Ideen.
Mach das nicht. Bleib weiterhin bei deinem Gesprächspartner und zeige dein Interesse, indem du nachfragst. Wenn dir noch irgendetwas unklar ist, stelle Verständnisfragen oder fasse das Gesagte zusammen: „Meinst du das und das? Geht es dir darum, dass…?“
Nur ein Bruchteil dessen, was jemand sagt, kommt beim Empfänger wirklich an, daher frag nach, ob du die Person richtig verstanden hast.
Frag nach und bleib bei dem, was der andere sagt.

4.Sich in die Lage der anderen Person zu versetzen

 

Neben dem Nachfragen, versuche dich auch in die Lage des anderen zu versetzen. Wie würde es dir an seiner Stelle gehen?
Bei Kommunikation schwingen immer Gefühle und Bedürfnisse mit. Also versuche herauszufinden, welches Gefühl beim Gegenüber gerade vorherrscht.

Wenn dir jemand sagt: „Puh, so langsam reicht es auch mit dem Lockdown.“
Anstatt du sagen: „Finde ich auch!“; könntest du erwidern: „Der Lockdown belastet dich, oder?“
oder du sagst: „Du bist ziemlich genervt, oder?“

Du spiegelst also das Gefühl des Gegenübers und indem du dies als Frage formulierst, holst du dir nochmal die Bestätigung dafür ab.
Und selbst wenn du daneben liegst und dein Gegenüber sagt: „Nee, belasten tut mich der Lockdown nicht, er nervt nur noch.“, selbst dann, kriegt dein Gegenüber aber mit, dass du ihn verstehen willst und dich in seine Lage versetzt. Außerdem erfährst du mehr darüber wie es ihm geht und was er denkt und fühlt.

 

Zusammengefasst

 

In diesem Augenblick, wenn mein Gegenüber spürt, da ist jemand, der hat Interesse an dem was ich sage, der hört mir wirklich zu, er fragt nach und kann nachempfinden wie ich mich fühle, fühle ich mich „gesehen“. Und das ist nicht nur ein ganz wunderbar schönes Gefühl, sondern auch die Grundlage für einen guten Kontakt, ein gutes Gespräch, eine gute Beziehung.

Und so einfach wie diese Punkte erscheinen, so schwer sind sie doch kontinuierlich umzusetzen.
Denk nochmal an die Frage zurück, wann du dich das letzte Mal wirklich gesehen gefühlt hast.
Hattest du direkt eine Antwort darauf? Wahrscheinlich nicht. Siehst du, so oft haben wir dieses Gefühl gar nicht.

Daher starte heute damit und versuche einen anderen Menschen wirklich zu „sehen“.
Versuche im Gespräch voll konzentriert zu sein, zuzuhören, bei der anderen Person zu bleiben, erstmal nichts eigenes zu erzählen, sondern nachzufragen und das Gefühl zu spiegeln.

Probiere es aus, ich garantiere dir, dass deine Gespräche plötzlich anders verlaufen werden.
Und in dem Augenblick, wo der andere sich „gesehen“ fühlt, wird er ebenfalls bereit sein, dich zu sehen.

Besonders stark macht dies der Stamm der Zulu in Afrika.
Die Zulu glauben, dass Menschen nur existieren, wenn andere sie „sehen“ und wirklich annehmen.
Deswegen sagen sie schon zur Begrüßung: „Sawubona“, was wörtlich übersetzt heißt: „Ich sehe dich, du bist mir wichtig und ich schätze dich “.

In diesem Sinne wünsche ich dir jetzt viel Erfolg bei der Umsetzung, einen wunderschönen Tag und
Sawubona.

Episodenbild: Photo by Helena Lopes on Unsplash

 

 

 

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