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Der Begriff „New Work“ ist in aller Munde. Immer wieder hört man den Appel, dass Arbeit und Führung sich neu erfinden muss.
Aber warum ist das so? Warum ist es so unausweichlich, dass Unternehmen sich mit neuen Arbeitsformen beschäftigen und die old-school-Führung hinter sich lassen?
Und was genau steckt eigentlich hinter New Work? Darum geht es in diesem Artikel.

Was ist New Work?

New Work ist der Oberbegriff für die Transformation unserer Arbeitswelt.
Es geht darum, neue Arbeitsformen und eine neue Führung zu finden in Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung.

Aber warum muss sich die Arbeitswelt gerade jetzt verändern?
Warum wird es jetzt Zeit für Unternehmen sich neuen Arbeitsformen zu stellen?
Warum muss sich auch Führung ändern?
Darauf gibt es eine ganz klare Antwort: weil Menschen und Arbeitsbedingungen sich stark verändert haben durch die Digitalisierung und den veränderten Bedürfnissen der Generation Y und Z.

 

Ein Zeitsprung zu vergangenen Arbeitsformen

Fangen wir von vorne an:
Mitarbeiter sind nicht mehr so wie noch vor 30,40 oder 50 Jahren.
Der Mensch hat sich verändert mit seinen Bedürfnissen, seinen Interessen, seiner Motivation, mit seinem Bewusstsein.
Machen wir dafür mal einen Zeitsprung in die1950er Jahre.
Wie sah das Arbeitsleben und die Gesellschaft damals aus?

In der Schule stand Gehorsam an oberster Stelle. Die Kinder hatten aufzustehen, wenn der Lehrer den Raum betrat und bei Widerworten kam der Rohrstock zum Einsatz.
Der Vater war das Oberhaupt der Familie und die Bestimmung der Frau lag lediglich darin “Mutter und Hausfrau” zu sein. Oder, wie es in einer Werbung für Dr. Oetker hieß: “Eine Frau hat zwei Lebensfragen: Was soll ich anziehen und was soll ich kochen?”
Die männliche Dominanz hat sich auch in den Firmen wiedergefunden.
Die Arbeitswelt war geprägt von starken Hierarchien und autoritärem Führungsverhalten.
Die Führungskraft wusste alles am besten, hat es entschieden und die Mitarbeiter haben lediglich ausgeführt.
Eine wichtige Kompetenz bei Führungskräften war damals ein hohes Maß an Durchsetzungsfähigkeit.
Gerade nach den unsicheren Zeiten des zweiten Weltkriegs, war das oberste Bedürfnis der Menschen die Sicherheit. Einen sicheren Arbeitsplatz zu haben mit regelmäßigem Gehalt war ein hohes Gut.


Von den 1950er Jahren bis heute haben sich Gesellschaft und Arbeitsbedingungen natürlich immer weiter verändert. Springen wir durch die 60er und 70er Jahre, in denen junge Menschen für mehr Selbstbestimmung kämpften, in die 80 und 90er Jahre, in denen Computer als klobige, graue Kästen auf den Markt kamen und die technischen Errungenschaften anfingen rasant zu wachsen. Die erste eMail, die 1984 verschickt wurde, die erste Website, die 1991 im World Wide Web online ging und heute, heute gibt es in den Haushalten HD-Fernsehen, Alexa, eBook Reader, Apple Pay, Youtube, Social Media und vieles mehr.
Neben den technologischen Errungenschaften hat sich eine neue Generation herausgebildet, die zwischen 1980 und 2000 geboren ist und heute als Generation Y bezeichnet wird.

Die Veränderungen, die die Gesellschaft und die Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten erlebt haben, waren geprägt von den technologischen Errungenschaften, der Digitalisierung und Globalisierung sowie der Sichtweise und dem Handeln einer Leistungsgesellschaft.
 

Digitalisierung und die neuen Arbeitsformen

Heute ist Digitalisierung keine Herausforderung der Zukunft mehr, sondern wir sind mittendrin.
Daten und Prozesse werden in den Organisationen digitalisiert und automatisiert und das Internet mit seinen Anwendungsmöglichkeiten ist längst Teil unseres Lebens.
Die Megatrends bei der Digitalisierung der Arbeitswelt sind:
Mobile Devices, Cloud-Computing, Big Data, Social Media und Künstliche Intelligenz.
Unternehmen sind immer stärker herausgefordert, neue Technologien zu erkennen, für das eigene Unternehmen zu bewerten und dann auch anzuwenden.
Schwimmen Unternehmen nicht auf der digitalen Welle, gehen sie über kurz oder lang unter, weil sie nicht mehr konkurrenzfähig sind.
Die Arbeitswelt verändert sich durch die Digitalisierung.

Arbeit muss nicht mehr an einem bestimmten Ort oder zu einer bestimmten Zeit stattfinden, man kann immer und von überall mit seinen Kollegen zusammenarbeiten.
Durch die Digitalisierung entstehen Netzwerke von Wissensarbeitern, die schnell und dynamisch reagieren können und mit einem guten Expertenwissen die unterschiedlichsten Probleme lösen können. Wissen muss immer schneller erworben, verknüpft und weitergegeben werden.

New Work in diesem Zusammenhang heißt, Hierarchien, Kontrolle und zentrale Steuerung abzubauen und stattdessen offenes Wissensmanagement zuzulassen. Projektteams arbeiten nicht mehr präsent vor Ort, sondern digital aus der ganzen Welt.
Es sind nicht mehr die Führungskräfte, die das meiste Wissen haben, sondern die Mitarbeiter mit ihrem Expertenwissen. Damit diese ihr Wissen bestmöglichst für das Unternehmen einsetzen können, braucht es flache Hierarchien, Entscheidungsfreiheiten, eine gute Vertrauens- und Fehlerkultur und gelebte Work-Life-Balance.

Wenn ich in einem Unternehmen die Digitalisierung vorantreibe, muss ich auch Arbeitsformen schaffen, die dieser entgegenkommen. Das gehört zu New Work.

Die veränderten Bedürfnisse der Menschen

Leider werden oft mit New Work nur die neuen Arbeitsformen beschrieben, die sich durch die Digitalisierung ergeben, aber das greift zu kurz.
Es reicht nicht aus, einfach nur Homeoffice zu ermöglichen oder agile Methoden einzuführen.
New Work ist Haltung, Arbeitsform und Führung, die sich stark von unseren bisherigen Arbeitsformen und Führungsansätzen in der Leistungsgesellschaft unterscheidet.

Und der entscheidende Orientierungsfaktor bei New Work ist neben der Digitalisierung, der Mensch.
Wie ich zu Beginn schon sagte, haben sich die Bedürfnisse der Menschen verändert.

Schaut man in die Unternehmen, ist der Arbeitsalltag geprägt von starker Arbeitsverdichtung und Stress, von Komplexität und oftmals Überforderung.
In den Unternehmen wird von schneller, höher, weiter und immer mehr gesprochen, von Menschen als Ressourcen, von Veränderungen, die geplant, ausgearbeitet und dann laut Plan implementiert werden müssen. Die Unternehmen sind vom leistungsorientierten Managementdenken geprägt und häufig auch von einem rücksichtslosen Vorgehen zur Steigerung der Profite.
Diese Leistungsgesellschaft hat uns einen großen Wohlstand gebracht und wir konsumieren heute mehr als jemals zuvor Die Werbung macht uns vor, dass wir noch glücklicher werden, wenn wir uns das neueste Auto kaufen, die teure Gesichtscreme und das Fünfzigste Paar Schuhe.
Aber erfüllt uns das?
Die oft zitierte „Midlifecrisis“ ist ein Symptom unserer Leistungsgesellschaft.
Menschen die 20 Jahre und länger im Hamsterrad einer Firma laufen, auf dem Weg zur Spitze, erkennen irgendwann, dass sie die Spitze nicht erreichen können oder aber, dass die Spitze gar nicht so toll ist, wie gedacht. Diese Menschen fallen in die Midlife-Crisis, wenn das Leben nur noch darin besteht, Dinge abzuarbeiten, Fristen einzuhalten und Change-Programme zu durchlaufen.
Das ist der Moment, in dem sich immer mehr Menschen die Frage nach dem Sinn des Ganzen stellen.

Die Auswirkungen der Leistungsgesellschaft

Die Umfrage von Gallup von 2019 ergab, dass lediglich 15 Prozent der Beschäftigten in Deutschland eine emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber haben. Gut zwei Drittel fühlen sich nur wenig gebunden und machen Dienst nach Vorschrift. Die restlichen 16 Prozent haben gar keine emotionale Bindung zu ihrem Unternehmen und haben bereits innerlich gekündigt.
Gleichzeitig nimmt die Zahl der psychischen Erkrankungen weiterhin zu, ganz vorne weg: Burn-out und Depressionen.


Und dies gilt nicht nur für Mitarbeiter, sondern auch für Führungskräfte.
Viele Führungskräfte sind erschöpft. Müde vom Druck und dem Rennen im Hamsterrad, von den unendlichen Mails, Meetings und Präsentationen. Erschöpft von dem Anspruch, die perfekte Führungskraft zu sein, die ihre Mitarbeiter motiviert und zu Höchstleistungen anspornt.


Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, die nicht nur alles von den Menschen abverlangt, sondern auch von unserem Planeten. Die Atmosphäre, das Wasser und der Boden werden verschmutzt, Ökosysteme zerstört, Tierarten ausgerottet und Rohstoffe ausgebeutet.

Die Generation Y und Z

Eine Leistungsgesellschaft funktioniert, solange die Hamster weiter im Hamsterrad laufen.
Aber die Generationen jenseits der 40 sind erschöpft vom Hamsterrad und die jüngeren Generationen Y und Z machen da erst gar nicht mit.
Sie sind bereits anders groß geworden.
Ihre Erziehung war nicht mehr von Gehorsam geprägt, sondern von Selbstbestimmung und erhöhtem Selbstbewusstsein. Ihnen wurde vermittelt, dass sie alles erreichen können, was sie wollen.
Im Studium diskutiert diese Generation mit den Professoren auf Augenhöhe und erwartet dies auch von ihrem Arbeitgeber. Sie wollen bei wichtigen Entscheidungen beteiligt werden und wollen wissen warum sie etwas tun.
Das oberste Bedürfnis bei der Berufswahl ist nicht mehr Sicherheit, sondern Selbstverwirklichung.
Sicherheit ist in den Industrienationen weitestgehend gegeben und deshalb drängen diese Menschen mehr nach dem Ausleben der Bedürfnisse Sinn und Freiheit.
Noch nie zuvor war eine Generation so sehr auf Sinnsuche und Selbstverwirklichung aus, wie die heutige. Und noch nie ist eine Generation so stark von digitalen Medien und Trends geprägt worden.

In Zeiten von Fachkräftemangel, wird es für diese Generationen normal sein, sich den Arbeitgeber aussuchen zu können.
Für die Generation Y und Z ist es wichtig, dass Arbeit Spaß macht, inhaltlich spannend ist und vor allem vereinbar mit Freizeit und Familie. Sie möchten mobil arbeiten mit flexiblen Arbeitszeiten.
Eine gute Work-Life-Balance ist für sie viel attraktiver als eine Führungsposition mit einer Vielzahl von Überstunden.

Für viele Unternehmen sind die Werte dieser Generation herausfordernd.
Nicht umsonst gibt es viele Fortbildungen auf dem Markt zum Umgang mit der Generation Y.
Und wie oft hört man ältere Mitarbeiter sich über die Arbeitsmoral dieser Generation beschweren.
Ich kann mich darüber beschweren, aber bringt mich das weiter?
Und sind wir nicht vielleicht insgeheim doch etwas neidisch, auf dieses unerschütterliche Selbstbewusstein, den selbstverständlichen Anspruch nach guter Work-Life-Balance und sinnerfüllter Arbeit?
Diese Generation wird die erste sein, die aus dem Hamsterrad aussteigt bzw. gar nicht erst reingeht.
Das heißt nicht, dass sie weniger leisten wird, sondern, dass sie unter anderen Bedingungen, mit anderen Arbeitsformen ihre Leistung bringen werden.

Und wie bei der Digitalisierung, gibt es auch hier für die Unternehmen keine Wahl, als sich diesen Generationen zu öffnen und eine Arbeitswelt zu gestalten, die den Bedürfnissen der Menschen und den digitalen Möglichkeiten entgegenkommt.

Das ist New Work.
Ich hoffe ich konnte dir den Begriff New Work etwas näher bringen und deutlich machen, warum es jetzt Zeit wird für Unternehmen sich entsprechend aufzustellen.
Ja, New Work ist ein großes Feld und es gibt nicht die eine Lösung für alle Unternehmen.
Aber es gibt Faktoren, die berücksichtigt werden wollen, insbesondere bei der Führung.
Welche Faktoren das sind, erfährst du im nächsten Blogartikel.


Episodenbild: „metamorworks.com/stock.adobe.com

 

 

 

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